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Professor Dr. Boris Cyrulnik Die Moral gab es schon vor dem Menschen! Ab dem Alter von vier Jahren ist das Kind fähig sich in die mentale Welt des anderen hinein zu denken. Vorher versucht es lediglich, die Reflexe und Reaktionen des anderen nachzuahmen. Es ist daher sehr wichtig dem Kind eine strukturierte Welt aufzubauen, damit es sich darin zurechtfinden kann. Später heißt es, seine Reaktion mit der Gefühlswelt (Psyche) und der materiellen, motorischen Umwelt (Motorik) zu koordinieren. Das geschieht zuerst ohne die Sprache. Es gibt ca. 120 Mio. Kinder auf dieser Erde, denen dieses strukturierende Umfeld nicht gegeben wird (Kriege, Zerstörung der Familie . . . ). Oft werden sie manipuliert, wegen einer abstrakten, inexistenten Vorstellung. Der Prozess ihres Mitgefühls wird gestört (Empathiestörungen). Sie haben es nicht gelernt, sich in die Welt des anderen zu versetzen. Kann man diesen Mangel an Empathie aufholen? Ja, nach und nach, wenn man ihnen lernt, sich in die Welt des anderen zu versetzen, wenn man ihnen lernt, sich vom anderen zu dezentrieren, zu differenzieren. Blinde Menschen erfinden die Bilder, die sie nicht sehen können. Taube Menschen lesen von den Lippen, bedienen sich ihrer Gestik. Liebe ist der lebensnotwendige Stimulus von Körper und Geist. Ist der Fluss der Liebe gestört, werden die Menschen gleichgültig, sie werden „komisch“, sagt man. |
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